Neue Art von Skateboard

Neuartiges Skateboard

An den Ufern der Ihme entsteht ein Skatepool. So läutete ein fünfm langer Absprung in die Tiefen eine neue Zeit des Skateboards ein. Der Mann holt einen tiefen Atemzug, wirft sich auf sein Skateboard und stürzt sich dann mehr als fünf m in die Höhe. Der Trick, der als "Leap of Faith" bekannt ist - im Deutschen so viel wie ein Schritt ins Unbekannte - sollte die Welt des Extremsports für immer ändern. Der Mann war damals schon ein erfolgreicher Skateboardfahrer, nämlich Thomas Meier.

Nach zwei Jahren erhielt er die letzte Auszeichnung und wurde ein spielbarer Akteur in den bekannten Tony Hawks Pro Skater Videospielen - und die Lücke selbst hielt auch Einzug in den zweiten Teil der Spielserie. Nach dem Bekanntwerden des Videos mit seinem Jump fingen andere Skater an, sich am gewagten Jump zu versuchen.

Keiner von ihnen schaffte es, ihn zu schlagen. Anstelle von High Five gab es Knochenbrüche - zum Beispiel bei Richard King, der seinen Flugversuch abgebrochen hat und dann ungeschützt auf den Grund stürzte. Thomas' Absprung ist dagegen beinahe meisterlich. Er nähert sich dem Reling, hüpft im rechten Augenblick gelassen davon und packt sein Brett mit der rechten Hand. 2.

Eine fühlbare Unendlichkeit liegt in der Schwebe, bis auf das Anklicken einer Fotokamera ist sie ganz still. Tatsächlich verläuft alles einwandfrei, aber kurz vor der Ankunft stehen die Füsse des Läufers etwas zu zentral auf dem Board. Beim Landen durchbricht Thomas' Board in der Bildmitte, er muss vorwärts rollen.

Die Skateboardfahrer beginnen im Verborgenen zu jauchzen. Genauso sehr wollte es das Schicksal: 2013 sagte Thomas in einem Gespräch, dass jemand schon vor dem Absprung seinen eigenen Vornamen auf das Reling schrieb. Weil die Sprachschule, auf deren Grundstück sich die Treppen befinden, die Lücke 2005 mit einem Fahrstuhl unfahrbar gemacht hat, wird der Platz nur noch für immer im Besitz von Thomas sein.

Durch die Story hinter dem Jump wird das Ganze nur noch legendär. Nicht nur sein Leib, sondern auch seine Laufbahn wurde von Thomas gefährdet. Seit 1995 war er Teil des Team um die bekannte Skateboardmarke Toy Machine, wo er als Geschäftsführer die letzte Rolle im äußerst gelungenen Skatevideo Welcome to Hell hatte.

Im Jahr 1997 gab er all dies auf, um seine eigene Handelsmarke Zero zu gründen. Bei dem ersten Film Thrill of it wollte All Zero Fuss fassen und alles hängt von Thomas ab. Möglicherweise hat er es damals nicht gemerkt, aber der Versuch des "Leap of Faith" war sowohl ein Beweis für sein Können als auch ein buchstäblicher Werbegag.

Eine ganzseitige Aufnahme der Ollie erscheint zusammen mit den Wörtern "JAMIE THOMAS RIDES FOR ZERO" in der renommierten Zeitschrift Transworld Skateboarding. Auf einmal sprachen alle über Thomas' Marke. Doch was Frankie Hill und Marc Gonzales bereits in den frühen 90ern initiiert hatten, konsolidierte sich nun mit seinem Versuch: weg von der Technik und hin zu einem gewagten Schauspiel.

Die Latte lag bei Thomas ganz oben, bis heute hat noch kein anderer Skateboardfahrer einen so hohen Einstieg wagt. Radikales Schlittschuhlaufen und Stil nach dem Modell von Thomas dominierte in den folgenden Jahren die Skateboard-Szene. Das Skateboarden erlebte seinen Zenit in den frühen 2000er Jahren. Zu dieser Zeit wurden Ränder aufgesprengt und zahllose Schlittschuhläufer ins Scheinwerferlicht gerückt, denn sie warfen sich immer mehr Stufen oder immer länger werdende Bahnen ab.

Aus dieser Epoche ist die Auflistung wichtiger Kunststücke lang, aber nicht einer von ihnen ist so sagenhaft wie der Versuch des Leap of Faith. Da Skateboarding in der heutigen Zeit ein schnelllebiger Betrieb ist, der dank des Überangebotes an Fotos und Videomaterial zunehmend über Instagram vertrieben und verbraucht wird, wird kein anderer Kunstgriff so offenkundig sein wie Thomas' Ollie.

Währenddessen macht der Eisläufer des Jahres 2017 auf der Vorderseite schiefe Grinds, wo ein " einfaches " Lippenstift den Mund öffnet. Der Einfluss von Yamie Thomas ist und ist unleugbar, aber es hat den Anschein, dass die Skateboardwelt die avangardistische Dimension der Glaubenslücke nie ganz durchschaut hat. Die Sprünge waren so einzigartig, dass wir sie aus künstlerischer Sicht sehen können.

Skateboardfahrer behaupten ohnehin immer, dass ihr Steckenpferd nicht der Spaß am Skifahren ist, sondern die Künste. Thomas' Leap of Faith-Experiment ist in mehrfacher Hinsicht mit Kleins Werk zu vergleichen. Natürlich haben beide das deutsche Wörtchen für Springen im Namen und beide Springreiter springen aus großer Höhe. Thomas hat andere Läufer zu immer extremeren Kunststücken inspiriert.

Das heißt, er hat das Skateboardfahren mit dem Glaubenssprung auf eine neue Ebene gehoben - und das allein wird in der Welt des Extremsports für immer in Erinnerung bleiben.

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